Konzept

1. Vorwort
2. Warum eine TKA Grundschule in St. Georgen
3. Das Besondere an unserem Konzept
4. Was uns wichtig ist
5. Die pädagogischen Ideen/Grundlagen/Prinzipien
5.1 Wissenschaftliche Basis und Background
5.2 Beispiele aus der Praxis
5.3 Übergänge sanft gestalten
5.5 Die achtungsvolle Beziehung als Grundlage des Lernens
5.6 Die Bedeutung der Gruppe für die Kinder und das Lernen
5.7 Schul und Unterrichtsklima Schulhaus und Umgebung
5.8 Achtsamkeit im Hinblick auf die ideellen und materiellen Ressourcen
6. Lernverständnis
7. Übersicht über die Organisation des Schulalltags
8. Lehrplan/Lernfelder/Inhalte
9. Schulaufnahme/Beiträge


Wissenschaftliche Basis und Background



Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass durch gezielte Vermittlung von Kunst, Tanz, Gesang und Musik wesentlich effizientere Lernerfolge erzielt werden und dadurch die „konventionellen“ Methoden des Lernens optimal ergänzt werden. Musikwahrnehmung und aktives Musizieren auf hohem Niveau gehören zu den anspruchsvollsten menschlichen Tätigkeiten (Professor Eckart Altenmüller, Hochschule für Musik und Theater Hannover). Musik ist ein gutes Training fürs Denken, denn beide Hirnhälften müssen arbeiten. Musizierende Kinder üben nicht nur das Notenlesen und verbessern ihre Feinmotorik am Instrument, sie schneiden auch bei Gedächtnistests deutlich besser ab (Psychologin Agnes Chan, Universität Hongkong). Wenn musikalisches Training schon sehr früh beginnt, lässt sich zeigen, dass die Hirnrinde selbst sich verändert. Prof. Dr. Hermann Rauhe, Direktor der Musikhochschule Hamburg: „Musiker nutzen ihr Gehirn viel differenzierter und effektiver als ein normaler nichtmusizierender Mensch, denn die ganzen Vorgänge der Tonbildung ob auf Streich- oder Blasinstrument erfordern ein unheimlich schnelles Vorausdenken. Also, das Beste was ein Mensch tun kann, um eine effektive Persönlichkeit zu werden ist, dass er Musik macht“. Wahrnehmung und Wahrnehmungs-Schulung sind für die Förderung von Lernprozessen unabdingbar; besonders in früher Kindheit, jedoch grundsätzlich ein Leben lang. Bewusstes Wahrnehmen ist Grundlage für Lernen. Also bewusstes Hören, bewusstes Fühlen von Akkorden mit den Händen auf der Klaviatur, bewusstes Fühlen von Schwingungen am Körper, bewusstes Nachvollziehen und auch bewusste Antizipation von Melodien. (Dr. Willi Stadelmann, Pädagogische Hochschule Aargau). Wichtige Inspirationen zu diesem besonderen Konzept lieferten uns zahlreiche Beiträge der Landesakademie Ochsenhausen. Als Landesakademie für die musizierende Jugend beschäftigt sich die Landesakademie Ochsenhausen im Besonderen mit den Auswirkungen von Musik, Rhythmik und Sprache auf die Entwicklung des Kindes. Wie hängen Begriffe wie Freiwilligkeit, Schönheit, Bewegung, Emotionen, Übung oder Gruppenarbeit mit der Utopie des Lernens zusammen? In den zahlreichen Veröffentlichungen der Landesakademie fanden wir wichtige Anregungen und Beschreibungen welch hohen Stellenwert Musik und das Erlernen von Musikinstrumenten bzw. die Stimmbildung auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Hierzu gehören auch die Beiträge von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer beispielsweise in seinen Büchern „Musiktherapie“ und „Tomaten im Kopf“. Prof. Spitzer beriet den Bundestag als Experte in Bildungsfragen und saß im Gremium der OECD. An der Landesakademie Ochsenhausen hat er etliche Vorträge gehalten. Besonders wichtig für den Lernerfolg ist dabei das individuelle Erleben des Musizierens: „Wissenschaftliche Kriterien für Musik und Musikunterricht werden nicht wirksam, solange sie nicht individuell erfahren werden konnten. Die Schüler müssen in ihrer sozialen Herkunft, ihrem individuellen Erleben, ihrer biographischen Erfahrung und ihren alltagsästhetischen Vorstellungen einbezogen werden“ (aus: Musikpsychologie in der Schule, herausgegeben von der Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen). Eine weitere in dem von der Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen herausgegebenen Buch führt eine Kieler Studie auf. Einer Studentin fiel auf, dass von ihr betreute leserechtschreibschwache Kinder nicht richtig singen konnten. Die erste, auf der Hand liegende Theorie war, dass Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Singen wohl miteinander verbunden seien. Eine empirische Studie an 184 Kinder in 2. Klassern ergab ein sehr viel genaueres Bild: Man musste unterscheiden zwischen der Fähigkeit, die Tonhöhen eines Liedes richtig zu treffen und der Fähigkeit, ein Lied vollständig zu lernen. ……. Da bei Musik und bei Sprache dieselben Prozesse vor sich zu gehen scheinen, rät Anke Rosbach in einer gerade fertig gestellten Dissertation zu einer Förderung der sprachlichen Entwicklung mit musikalischen Mitteln“ (Rosbach 1995). Dass das Thema Bewegung inzwischen auch als grundlegend wichtig erkannt worden ist, zeigt die Aussage von Frau Beate Keller, Dipl.-Psychologin aus München: „Man nützt Tanz und Bewegung als Medium, um die psychische und körperliche Entwicklung und Integration des Menschen zu fördern. In dem man den eigenen Bewegungsimpulsen folgt, von ganz einfachen Bewegungen oder Alltagsbewegungen angefangen bis hin zur Tanzimprovisation, eröffnet sich ein unmittelbarer und ganzheitlicher Zugang zum eigenen inneren Erleben und eigenen Ausdruck.“. „Über die Bewusstmachung der persönlichen Bewegungssymbolik können unbewusste Anteile der Persönlichkeit erlebt werden, was zu einem besseren Selbstverständnis beiträgt. Das Ziel der Tanzpädagogik und -ausdrucks ist die Re-Integration von Körper, Geist und Psyche“ Dr. Bettina Reiter (Psychotherapie). Ein Bereich der im Unterricht an öffentlichen Schulen aber auch an fast allen freien Schulen überhaupt keine Beachtung findet ist der korrekte Gebrauch von Atem und Stimme. Wie wichtig aber der richtige Umgang damit ist zeigt folgendes Beispiel: Beim einfachen Kopfrechnen erlebt man schon in der Grundschule, dass viele Kinder vor dem Sprechbeginn auffallend nach Luft schnappen. Im Eifer rasch zu antworten, wird bei offenem Mund mit hochgezogenen Schultern Luft hereingerissen. Der Geist muß also die Aufgabe bei voller Brust und mit angehaltenem Atem bewältigen. Aus dem Zustand dieser Klemme heraus wird die Antwort gepresst. Die Lehrerin bzw. der Lehrer sollte aber darauf achten, dass die Schüler während des Nachdenkens den Atem niemals anhalten, sondern durchgehen lassen. Die Antwort sollte ohne ein vorheriges Luftholen gegeben werden. Nur so kommt sie deutlich heraus, ohne Klemmen und Pressen. Gewöhnlich sind es nicht die schwachen Schülerinnen und Schüler, sondern die besonders ehrgeizigen, die zu dem beschriebenen Fehlverhalten neigen. Sie können zwar die gestellte Aufgabe – trotz angehaltenen Atems – schaffen, schwächere Schülerinnen und Schüler hingegen versagen unter solchen Bedingungen. Es liegt also mitunter nicht am fehlenden Können der Schülerin bzw. des Schülers eine Aufgabe nicht lösen zu können, sondern an der falschen Atemtechnik. Es ist mittlerweile geltende Lehrmeinung, dass unökonomisches Sprechen sogar an der Entstehung so genannter vegetativer Störungen wesentlichen Anteil hat. Verbreitete Symptome, wie zum Beispiel Konzentrationsmangel, Nervosität, Abgeschlagenheit, unbestimmte Herzbeschwerden und Kreislaufregulationsstörungen können durch einen unökonomischen Sprachgebrauch wesentlich verursacht werden. Umgekehrt lässt sich durch Sprecherziehung auch das vegetative Nervensystem günstig beeinflussen. Die Schulung der Stimme ermöglicht, dass wir bewusst, ökonomisch und damit zum eigenen Vorteil reagieren. Dies ist auch im Erwachsenenalter durchaus erreichbar, obwohl die Ausdrucksweise in diesem Lebensabschnitt weitgehend eingeschliffen ist. Daher sollte schon im Kindesalter alles getan werden, um die Ausdrucksentwicklung günstig zu beeinflussen. Atem und Stimme formen die Persönlichkeit. Sie zu bilden ist ein Vorgang, mit dem der Mensch reift. Wir wollen die Erkenntnisse im Umgang mit Atem und Stimme an verschiedenen Stellen (z.B. Gesang, Theater, gezielte Atemübungen) mit in unser Unterrichtskonzept mit aufnehmen um auch dadurch eine positive Ausstrahlung auf den Lernprozess und den Lernerfolg zu erreichen. Auch die positiven Aspekte der Malkunst auf die Entwicklung des Kindes sollen bei TKA Grundschule vermittelt und gefördert werden.